Das Wichtigste in Kürze:
- Asbest wurde in Deutschland bis 1993 verbaut und steckt in über 3.000 verschiedenen Produkten
- Gebundener Asbest (z. B. in Eternitplatten) ist weniger gefährlich als schwach gebundener Asbest (z. B. in Nachtspeicheröfen)
- Die Entfernung von asbesthaltigen Materialien ist ausschließlich zertifizierten Fachfirmen vorbehalten
- Vor Sanierungsarbeiten im Altbau sollte eine Schadstoffuntersuchung durchgeführt werden
- In Hof finden sich asbesthaltige Materialien vor allem in Gebäuden der Nachkriegszeit in Moschendorf und in den 1960er-Jahre-Sanierungen älterer Bestände
Asbest im Altbau ist ein Thema, das viele Eigentümer unterschätzen. Der Werkstoff wurde wegen seiner hervorragenden Eigenschaften (hitzebeständig, isolierend, fest) jahrzehntelang massenhaft verbaut. Erst 1993 wurde Asbest in Deutschland verboten. Für Hof bedeutet das: In zahlreichen Gebäuden, die zwischen den 1950er und 1990er Jahren errichtet oder saniert wurden, können asbesthaltige Materialien stecken. Dieser Artikel erklärt, wo Asbest zu finden ist, wie er erkannt wird und warum professionelle Entsorgung zwingend ist.
Wo kommt Asbest im Altbau vor?
Asbest steckt in einer Vielzahl von Bauprodukten. Die häufigsten Fundstellen im Altbau sind Dacheindeckungen und Fassadenverkleidungen aus Faserzement (Eternit). Fußbodenbeläge: Vinyl-Asbest-Fliesen (Floor-Flex, auch CV-Beläge genannt), erkennbar an der typischen Größe von 25 mal 25 oder 30 mal 30 Zentimetern und der harten, spröden Konsistenz. Fliesenkleber und Spachtelmassen unter Fliesen und Bodenbelägen. Rohrisolierungen und Flanschdichtungen an Heizungs- und Wasserleitungen. Nachtspeicheröfen älterer Bauart (vor 1984). Brandschutzplatten in Elektroverteilungen und an Heizungsrohrdurchführungen. Putze und Spachtelmassen, insbesondere bei nachträglichen Sanierungen. Dichtungsmaterialien an Schornsteinen und Kaminen.
In den Nachkriegs-Flüchtlingssiedlungen in Moschendorf, wo ab den 1950er Jahren unter Zeitdruck gebaut wurde, sind asbesthaltige Materialien besonders verbreitet. Eternit-Dachplatten und Fassadenverkleidungen waren kostengünstig und schnell zu verarbeiten. Auch in den 1960er- und 1970er-Jahre-Sanierungen älterer Gebäude in der Biedermeier-Neustadt wurden teilweise asbesthaltige Bodenbeläge und Putze verwendet.
Wie erkennt man asbesthaltiges Material?
Asbest ist mit bloßem Auge nicht sicher zu erkennen. Die einzig zuverlässige Methode ist eine Laboranalyse. Trotzdem gibt es Hinweise, die auf Asbest hindeuten.
Bei Fußbodenbelägen: Harte, spröde Fliesen in der typischen Größe (25 x 25 cm oder 30 x 30 cm) mit meist grauer, schwarzer oder brauner Farbe. Die Rückseite zeigt oft ein Jutemuster. Der Kleber darunter kann ebenfalls asbesthaltig sein.
Bei Dachplatten und Fassaden: Graue, wellige oder ebene Platten mit glatter oder leicht strukturierter Oberfläche. Eternit-Platten wurden millionenfach verbaut. Nicht alle Eternit-Produkte enthalten Asbest; seit 1990 produziert Eternit asbestfrei. Das Produktionsdatum ist entscheidend.
Bei Putzen und Spachtelmassen: Nur durch Laboranalyse erkennbar. Vor Abbrucharbeiten sollte immer eine Probe genommen werden.
Eine professionelle Dokumentation des Befunds ist wichtig, insbesondere wenn Sanierungsarbeiten geplant sind.
Warum ist Asbest so gefährlich?
Asbest selbst ist ungefährlich, solange er fest gebunden ist und nicht beschädigt wird. Die Gefahr entsteht durch eingeatmete Asbestfasern. Diese sind so fein, dass sie tief in die Lunge eindringen und dort über Jahrzehnte Entzündungen und Gewebeveränderungen verursachen.
Die Folgen können schwere Erkrankungen sein: Asbestose (Vernarbung des Lungengewebes), Lungenkrebs und Mesotheliom (Tumor des Brustfells). Die Latenzzeit beträgt 15 bis 40 Jahre. Es gibt keinen Schwellenwert, unter dem Asbestfasern als unbedenklich gelten.
Deshalb ist die Selbstentfernung asbesthaltiger Materialien verboten. Wer Eternitplatten, Floor-Flex-Böden oder asbesthaltige Putze ohne fachgerechten Schutz entfernt, setzt sich und andere einer erheblichen Gesundheitsgefahr aus und macht sich ordnungswidrig.
Wie wird Asbest fachgerecht entfernt?
Die Entfernung asbesthaltiger Materialien ist in der TRGS 519 (Technische Regeln für Gefahrstoffe) geregelt. Zugelassen sind nur Fachfirmen mit Sachkundenachweis nach TRGS 519.
Der Ablauf: Vor Beginn der Arbeiten wird das Gewerbeaufsichtsamt informiert. Der Arbeitsbereich wird abgeschottet (Schwarzbereich) und mit Unterdruckgeräten ausgestattet. Die Mitarbeiter tragen Schutzanzüge und Atemschutzmasken. Asbesthaltige Materialien werden unter Feuchthaltung (Staubbindung) entfernt und in zugelassene Spezialcontainer verpackt. Die Entsorgung erfolgt auf einer zugelassenen Sondermülldeponie. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Bereich gereinigt und eine Freimessung durchgeführt.
Bei kleineren Mengen fest gebundenen Asbests (z. B. einzelne Eternitplatten) sind die Anforderungen geringer. Aber auch hier gelten Schutzvorschriften und Entsorgungspflichten.
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Was bedeutet Asbest beim Hauskauf?
Asbesthaltige Materialien sind kein Grund, vom Kauf einer Immobilie abzusehen. Aber sie müssen bei der Kalkulation berücksichtigt werden. Die Entsorgungskosten können je nach Material und Menge erheblich sein.
Im Rahmen einer Hauskaufberatung prüft der Sachverständige, ob asbesthaltiges Material vorhanden sein könnte, und empfiehlt bei Verdacht eine Laboruntersuchung. So werden böse Überraschungen nach dem Kauf vermieden.
Der Verkäufer muss bekannte Asbestbelastungen offenlegen. Verschweigt er sie, kann das einen Sachmangel darstellen und Gewährleistungsansprüche auslösen.
Asbest für Hof: Wo ist das Risiko am höchsten?
In Hof konzentriert sich das Asbest-Risiko auf bestimmte Gebäudetypen und Stadtviertel. Die Nachkriegsbauten in Moschendorf (ab 1950er Jahre) haben häufig Eternit-Dacheindeckungen und Fassadenplatten. In den Zeilenbauweise-Siedlungen wurden kostengünstige, asbesthaltige Standardmaterialien verbaut.
In der Altstadt und der Biedermeier-Neustadt ist Asbest weniger in der Originalsubstanz zu finden, dafür aber in nachträglichen Sanierungen der 1960er bis 1980er Jahre: Bodenbeläge (Floor-Flex über historischem Dielenboden), Rohrisolierungen und Fensterbank-Dichtungen.
Auch in den ehemaligen Textil- und Porzellanfabrikgebäuden, die teilweise zu Wohnraum umgenutzt werden, kann Asbest in Brandschutzverkleidungen und Industrieböden stecken. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie vor einer Sanierung oder einem Kauf den Zustand klären möchten.
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Häufige Fragen
Muss ich Asbest entfernen lassen, wenn er intakt ist?
Nein. Fest gebundener Asbest, der unbeschädigt und nicht bewittert ist, muss nicht sofort entfernt werden. Er sollte aber dokumentiert und regelmäßig auf seinen Zustand kontrolliert werden. Bei Beschädigung oder geplanten Bauarbeiten muss er fachgerecht entfernt werden.
Wie finde ich eine zugelassene Asbestentsorungsfirma?
Das zuständige Gewerbeaufsichtsamt oder die Handwerkskammer können Auskunft geben. Achten Sie auf den Sachkundenachweis nach TRGS 519 und fragen Sie nach Referenzen.
Kann ich Asbest selbst erkennen?
Nur begrenzt. Typische Hinweise (Eternitplatten, Floor-Flex-Böden, Rohrisolierung) geben erste Anhaltspunkte. Sicherheit bringt nur eine Laboranalyse einer Materialprobe. Die Probenahme selbst sollte mit Atemschutz und Feuchthaltung erfolgen.
Was kostet eine Asbestanalyse im Labor?
Eine Laboruntersuchung einer einzelnen Materialprobe auf Asbest kostet in der Regel zwischen 30 und 80 Euro. Die Probenahme durch einen Sachverständigen kommt hinzu. Angesichts der möglichen Gesundheitsrisiken und Sanierungskosten ist das eine geringe Investition.
Darf ich Eternitplatten auf dem Dach lassen?
Ja, solange sie intakt sind und keine Fasern freisetzen. Bewitterte Eternitplatten können aber mit der Zeit verwittern und an der Oberfläche Fasern freisetzen. Eine regelmäßige Sichtkontrolle ist empfehlenswert.
Gibt es Fördermittel für die Asbestentsorgung?
Direkte Fördermittel speziell für Asbestentsorgung gibt es selten. Im Rahmen einer umfassenden Sanierung können die Kosten aber als Teil der Gesamtmaßnahme förderfähig sein. Bei Gebäuden im Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt” (Bahnhofsviertel Hof) können die Kosten teilweise gefördert werden.
Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Wir helfen Ihnen bei der Einschätzung, ob in Ihrem Gebäude asbesthaltige Materialien vorhanden sein könnten.