DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Hof
Schimmel & Feuchtigkeit 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Horizontalsperre nachträglich einbauen: Verfahren und Kosten

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Horizontalsperre unterbricht den kapillaren Feuchteaufstieg im Mauerwerk
  • Gebäude vor 1900 besitzen fast nie eine normgerechte Horizontalabdichtung
  • Drei gängige Verfahren: Injektion, Mauersägeverfahren und Edelstahlblechverfahren
  • Die Materialwahl hängt von Mauerwerksart, Wandstärke und Feuchtebelastung ab
  • Nach dem Einbau folgt eine monatelange Austrocknungsphase

Aufsteigende Feuchtigkeit ist eines der häufigsten Probleme in historischen Gebäuden. Wenn das Mauerwerk keine funktionierende Horizontalsperre besitzt, zieht Bodenfeuchtigkeit über die Kapillaren im Stein und Mörtel nach oben. Die Folgen reichen von Salzausblühungen und abplatzendem Putz bis zu Schimmelbildung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. In Hof betrifft dieses Problem einen großen Teil des Gebäudebestands: Die nach dem Großbrand von 1823 im Biedermeier-Stil wiederaufgebaute Neustadt entstand zu einer Zeit, als Horizontalsperren noch nicht üblich waren.

Was genau ist eine Horizontalsperre?

Eine Horizontalsperre ist eine wasserundurchlässige Schicht im Mauerwerk, die horizontal verläuft und den kapillaren Feuchtetransport von unten nach oben unterbricht. In modernen Neubauten wird sie als Bitumen- oder Kunststoffbahn zwischen Fundament und aufgehendem Mauerwerk eingelegt. Diese Bahn verhindert, dass Bodenfeuchtigkeit in die darüberliegenden Wandbereiche aufsteigt.

Bei Gebäuden, die vor Einführung dieser Technik errichtet wurden, fehlt diese Schicht. Massives Ziegelmauerwerk ohne Sperre kann Feuchtigkeit bis über einen Meter hoch saugen. Die Steighöhe hängt von der Porigkeit des Materials und der Feuchtezufuhr von unten ab.

Welche Verfahren für den nachträglichen Einbau gibt es?

Drei Verfahren haben sich in der Praxis bewährt. Jedes hat spezifische Stärken und Grenzen.

Injektionsverfahren: Das am häufigsten eingesetzte Verfahren. In regelmäßigen Abständen (10 bis 15 Zentimeter) werden Bohrlöcher in einer Lagerfuge gesetzt. Über diese Bohrungen wird ein hydrophobierendes Mittel in das Mauerwerk eingebracht, meist Silikonmikroemulsion oder Silane. Das Material verteilt sich in den Kapillaren und macht sie wasserabweisend.

Die Injektion kann drucklos (Trichterverfahren), unter Niederdruck oder unter Hochdruck erfolgen. Das drucklose Verfahren ist schonend und eignet sich für Ziegelmauerwerk. Bei dicken Wänden oder stark verdichtetem Mörtel kann Niederdruck nötig sein. Die Bohrlöcher werden anschließend mit Mörtel verschlossen.

Mauersägeverfahren: Eine Spezialsäge schneidet das Mauerwerk in einer Lagerfuge horizontal durch. In den Schnitt wird eine Sperrschicht aus Kunststoff, Bitumen oder Edelstahl eingelegt und vermörtelt. Das Verfahren liefert eine durchgehende mechanische Barriere und gilt als sehr zuverlässig.

Der Nachteil: Es erfordert eine durchgehende, gerade Lagerfuge. Bei Bruchsteinmauerwerk oder unregelmäßigem Fugenbild ist die Mauersäge nicht einsetzbar. Außerdem verursacht das Sägen Erschütterungen, die bei statisch empfindlichen Gebäuden problematisch sein können.

Edelstahlblechverfahren: Gewellte Edelstahlbleche werden maschinell in eine Lagerfuge eingeschlagen oder eingerammt. Das Blech bildet eine dauerhafte mechanische Sperre. Das Verfahren ist schnell und zuverlässig, erfordert aber ebenfalls eine durchgehende Lagerfuge und ist bei sehr dicken Wänden (über 60 Zentimeter) eingeschränkt.

Mehr dazu auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.

Welches Verfahren eignet sich für welches Mauerwerk?

Die Wahl des Verfahrens hängt wesentlich von der Mauerwerksart ab:

Ziegelmauerwerk (Vollziegel): Alle drei Verfahren sind grundsätzlich geeignet. Die Injektion verteilt sich gut in dem gleichmäßig porösen Material. Mauersäge und Blechverfahren funktionieren, wenn die Lagerfugen ausreichend breit und durchgehend sind.

Bruchstein- und Natursteinmauerwerk: Hier ist die Injektion oft die einzige Option. Die Fugen verlaufen unregelmäßig, was die mechanischen Verfahren ausschließt. Die Verteilung des Injektionsmittels ist allerdings schwieriger vorherzusagen. Mehrfaches Nachinjizieren kann erforderlich sein.

Mischmauerwerk: In Gebäuden, die über Jahrhunderte umgebaut wurden, finden sich oft verschiedene Mauerwerksarten übereinander oder nebeneinander. In der Hofer Altstadt, wo mittelalterliche Kellerstrukturen unter späteren Aufbauten liegen, ist Mischmauerwerk die Regel. Hier muss der Sachverständige abschnittweise entscheiden, welches Verfahren geeignet ist.

Was passiert nach dem Einbau der Horizontalsperre?

Der Einbau der Sperre selbst ist nur der erste Schritt. Anschließend muss das durchfeuchtete Mauerwerk austrocknen. Dieser Prozess dauert bei einer 40 bis 60 Zentimeter dicken Wand zwischen 6 und 18 Monaten. Die Austrocknungszeit hängt von der Wandstärke, dem Durchfeuchtungsgrad und den klimatischen Bedingungen ab.

Während der Trocknungsphase sollte der alte, versalzte Putz bis mindestens 30 Zentimeter über den sichtbaren Feuchtehorizont abgeschlagen werden. Die Salze im Putz würden sonst die Verdunstung behindern und den neuen Wandaufbau beschädigen. Nach ausreichender Trocknung wird Sanierputz nach WTA-Merkblatt aufgetragen. Dieser spezielle Putz kann Salze aufnehmen, ohne Schaden zu nehmen, und fördert die Verdunstung.

Kontaktieren Sie uns für eine fachkundige Beurteilung Ihres Mauerwerks.

Häufige Fehler bei der Kellertrockenlegung

Aus der Praxis für Hof und Umgebung begegnen uns regelmäßig typische Fehler:

Falsche Diagnose: Nicht jede Mauerfeuchtigkeit ist aufsteigende Feuchtigkeit. Seitlich eindringendes Wasser, Kondensation oder defekte Leitungen erfordern andere Maßnahmen. Eine Horizontalsperre gegen Kondenswasser ist wirkungslos und eine Fehlinvestition.

Ungeeignetes Verfahren: Elektrophysikalische Verfahren (Mauertrockenlegung durch Elektroosmose) werden aggressiv beworben, sind aber wissenschaftlich umstritten. Seriöse Sachverständige raten davon ab.

Fehlende Flankierung: Eine Horizontalsperre allein reicht oft nicht. Wenn gleichzeitig Feuchtigkeit seitlich durch die Kellerwand eindringt, muss auch die Vertikalabdichtung saniert werden. Beide Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt sein.

Zu früher Putzauftrag: Wird der neue Putz aufgetragen, bevor das Mauerwerk ausreichend getrocknet ist, schließt man die Feuchtigkeit ein. Der Putz wird innerhalb weniger Monate erneut geschädigt.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Seite Bewertung von Bauschäden.

Horizontalsperre in Hofer Biedermeier-Gebäuden

Die rund 200 Jahre alten Gebäude in Hofs Biedermeier-Neustadt stellen besondere Anforderungen an die Sanierung. Das Mauerwerk besteht überwiegend aus Vollziegel mit Kalkmörtel. Die Wandstärken liegen zwischen 40 und 80 Zentimetern. Die Lagerfugen sind in der Regel durchgehend und breit genug für mechanische Verfahren.

Allerdings stehen viele dieser Gebäude unter Denkmalschutz oder liegen in einem Ensemble, das als Gesamtheit geschützt ist. In solchen Fällen muss die Sanierungsmaßnahme mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden. Das Injektionsverfahren ist in denkmalgeschützten Gebäuden meist unproblematisch. Die Mauersäge kann bei besonders wertvollem historischem Mauerwerk auf Bedenken stoßen.

Durch die Lage an der Saale und die 108 Frosttage pro Jahr in Hof ist die Feuchtebelastung dieser Gebäude überdurchschnittlich hoch. Eine nachträgliche Horizontalsperre ist daher keine optionale Verbesserung, sondern eine substanzerhaltende Notwendigkeit.

Verwandte Themen

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob mein Haus eine Horizontalsperre hat?

Bei Gebäuden vor 1900 können Sie davon ausgehen, dass keine vorhanden ist. Bei jüngeren Gebäuden gibt ein Blick in die Bauunterlagen Aufschluss. Feuchte Flecken und Salzausblühungen im Sockelbereich sind ein starkes Indiz für eine fehlende oder defekte Sperre.

Funktioniert die Injektion auch bei stark durchnässtem Mauerwerk?

Bei sehr hohem Feuchtegehalt kann das Injektionsmittel nicht ausreichend in die Kapillaren eindringen, weil diese bereits mit Wasser gefüllt sind. In solchen Fällen muss das Mauerwerk vorab durch technische Trocknung auf einen geeigneten Feuchtegrad gebracht werden.

Kann ich die Horizontalsperre selbst einbauen?

Das Injektionsverfahren wird gelegentlich als DIY-Lösung angeboten. Davon ist abzuraten. Die korrekte Bohrlochposition, der Bohrlochabstand, die Injektionsmenge und die Kontrolle der Verteilung erfordern Erfahrung. Fehler führen zu einer unwirksamen Sperre und einem erheblichen Materialverlust.

Wie lange dauert der Einbau einer Horizontalsperre?

Die reine Injektionsarbeit dauert bei einem Einfamilienhaus etwa 2 bis 4 Tage. Das Mauersägeverfahren ist schneller (1 bis 2 Tage). Die anschließende Trocknungsphase des Mauerwerks dauert jedoch 6 bis 18 Monate.

Gibt es Fördermittel für den Einbau einer Horizontalsperre?

Bei denkmalgeschützten Gebäuden können Zuschüsse aus der Denkmalförderung beantragt werden. Steuerliche Vergünstigungen nach §7i oder §10f EStG sind bei Kulturdenkmälern möglich. Ein Steuerberater kann die konkreten Möglichkeiten klären.

Bieten Sie Beratung zur Horizontalsperre für Hof an?

Ja. Wir untersuchen das Mauerwerk, messen den Feuchtegehalt und empfehlen das geeignete Verfahren. Als DEKRA-zertifizierter Sachverständiger beraten wir herstellerunabhängig.

Vermuten Sie aufsteigende Feuchtigkeit in Ihrem Gebäude? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Wir analysieren die Feuchtigkeitsursache und beraten Sie zum wirtschaftlichsten Sanierungsweg.

Fragen zu diesem Thema?

Jörg Aichinger berät Sie persönlich — kostenlos und unverbindlich.

Kostenlos beraten lassen

Frage zu Ihrer Immobilie?

Schildern Sie Ihr Anliegen — Jörg Aichinger meldet sich persönlich mit einer Einschätzung. Kostenlos und unverbindlich.

Anrufen WhatsApp Formular