Das Wichtigste in Kürze:
- Die Bauthermografie macht Wärmeverluste an der Gebäudehülle sichtbar
- Mindestens 15 Grad Temperaturdifferenz zwischen innen und außen sind für aussagekräftige Ergebnisse nötig
- Die Messung erfolgt von außen (Fassade) und von innen (Feuchte, Wärmebrücken)
- Thermografie allein ist keine Diagnose, sondern ein Indikator für weitergehende Untersuchungen
- In Hof sind die kalten Winter ideal für Thermografie-Aufnahmen
Die Bauthermografie gehört zu den wirksamsten Methoden, um energetische Schwachstellen und Baumängel an Gebäuden aufzuspüren. Für Hof und Umgebung, wo das raue Höhenklima mit über 100 Frosttagen pro Jahr die Gebäudehülle stark beansprucht, ist die Methode besonders aufschlussreich. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Bauthermografie funktioniert, wann sie sinnvoll ist und wo ihre Grenzen liegen.
Wie funktioniert eine Wärmebildkamera?
Jeder Körper mit einer Temperatur über dem absoluten Nullpunkt gibt Infrarotstrahlung ab. Eine Wärmebildkamera (Infrarotkamera) erfasst diese Strahlung und wandelt sie in ein farbcodiertes Bild um. Warme Bereiche erscheinen in hellen Farben (Rot, Gelb, Weiß), kalte Bereiche in dunklen Farben (Blau, Violett).
An der Außenfassade eines beheizten Gebäudes bedeuten warme Stellen, dass dort mehr Wärme nach außen dringt als an den umgebenden Flächen. Diese Stellen sind entweder Wärmebrücken (konstruktionsbedingt oder durch Ausführungsfehler) oder Undichtigkeiten in der Gebäudehülle.
Von innen aufgenommen, zeigen sich die gleichen Stellen als kalte Bereiche an Wänden und Decken. An diesen kalten Stellen besteht erhöhte Gefahr für Kondensatbildung und Schimmelwachstum.
Welche Voraussetzungen müssen für eine aussagekräftige Thermografie erfüllt sein?
Eine Bauthermografie ist keine Methode, die man bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit einsetzen kann. Für verwertbare Ergebnisse müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
Die Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Außenluft sollte mindestens 15 Grad betragen. Bei einer Raumtemperatur von 20 Grad bedeutet das Außentemperaturen von maximal 5 Grad. Die Messung sollte bei bedecktem Himmel oder in der Dämmerung stattfinden, da direkte Sonneneinstrahlung die Fassade aufheizt und die Ergebnisse verfälscht. Starker Wind kühlt die Fassade gleichmäßig ab und verwischt Temperaturunterschiede. Regen und Schnee auf der Fassade verfälschen die Messung ebenfalls.
In der Region Hof sind diese Bedingungen in den Wintermonaten von November bis März regelmäßig gegeben. Mit durchschnittlich 37 Eistagen pro Jahr, an denen die Temperatur ganztägig unter null Grad bleibt, bietet das oberfränkische Klima geradezu ideale Voraussetzungen für die Bauthermografie.
Mehr zu unserer Thermografie-Leistung erfahren Sie auf unserer Seite zur Bauthermografie.
Was kann die Thermografie aufdecken?
Die Bauthermografie eignet sich zur Erkennung verschiedener Schwachstellen: Wärmebrücken an Fensterlaibungen, Rollladenkästen und Deckenanschlüssen. Fehlstellen in der Wärmedämmung (z.B. verrutschte Dämmmatten). Undichtigkeiten in der Gebäudehülle, die durch einen ergänzenden Blower-Door-Test verstärkt sichtbar werden. Feuchtigkeit in Bauteilen, da feuchte Stellen sich wegen der höheren Wärmeleitfähigkeit anders verhalten. Leckagen in Fußbodenheizungen. Und verstopfte oder nicht durchströmte Heizkörper.
Gerade bei den historischen Biedermeier-Gebäuden in Hofs Neustadt, die nach dem Großbrand von 1823 wiederaufgebaut wurden und über 200 Jahre alt sind, zeigt die Thermografie häufig massive Wärmeverluste an den typischen Erkern, Fenstergewänden und Geschossübergängen.
Kontaktieren Sie uns für einen Thermografie-Termin in den Wintermonaten.
Wo liegen die Grenzen der Thermografie?
Die Thermografie ist ein Indikator, keine abschließende Diagnose. Sie zeigt an, wo Auffälligkeiten vorliegen, aber nicht immer warum. Eine warme Stelle an der Fassade kann eine Wärmebrücke sein, aber auch ein Heizkörper direkt hinter der Wand. Ein kalter Bereich an der Innenwand kann auf fehlende Dämmung hinweisen, aber auch auf eine bewusst gewählte dünnere Wandkonstruktion.
Die Thermografie kann nicht durch massive Bauteile hindurchsehen. Eine feuchte Stelle hinter einer 36 Zentimeter dicken Ziegelwand wird von außen nicht erkannt. Ebenso wenig kann die Kamera den Zustand verdeckter Installationen beurteilen.
Deshalb ist die Thermografie immer Teil einer umfassenderen Untersuchung. Die Wärmebilder werden vom Sachverständigen im Zusammenhang mit der Bauakte, der Konstruktionsweise und dem Gebäudealter interpretiert. Weitere Informationen zu unseren Gutachterleistungen finden Sie auf unserer Seite zu Gutachten.
Thermografie bei Neubau und Altbau
Neubau: Hier dient die Thermografie vor der Abnahme als Qualitätskontrolle. In Kombination mit dem Blower-Door-Test können Undichtigkeiten und Dämmfehler lokalisiert und vor der Abnahme behoben werden.
Altbau: Bei Altbauten zeigt die Thermografie den energetischen Ist-Zustand und hilft bei der Priorisierung von Sanierungsmaßnahmen. Welche Bauteile verlieren am meisten Wärme? Wo lohnt sich eine Nachdämmung am ehesten?
In beiden Fällen liefert die Thermografie wertvolle Informationen, die mit bloßem Auge nicht gewonnen werden können. Erfahren Sie mehr über Sanierungsmöglichkeiten auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.
Ein häufiger Anlass für eine Thermografie am Altbau ist der geplante Kauf einer Immobilie. Die Wärmebilder zeigen dem Käufer auf einen Blick, wo die größten Wärmeverluste auftreten und welche Sanierungsmaßnahmen Priorität haben. Das hilft bei der realistischen Einschätzung der Gesamtkosten und kann eine wertvolle Verhandlungsgrundlage gegenüber dem Verkäufer sein. Informationen zur Hauskaufberatung finden Sie auf unserer Seite zur Hauskaufberatung.
Thermografie in Kombination mit dem Blower-Door-Test
Die aussagekräftigste Untersuchung entsteht durch die Kombination von Thermografie und Blower-Door-Test. Dabei wird zunächst der Blower-Door-Ventilator in eine Außentür eingesetzt und ein Unterdruck im Gebäude erzeugt. Durch den Unterdruck strömt kalte Außenluft durch alle Undichtigkeiten ins Gebäudeinnere. Diese Leckstellen werden auf der Innenseite als kalte Streifen oder Flecken in der Wärmebildkamera sichtbar.
Ohne den Blower-Door-Test sind manche Undichtigkeiten in der Thermografie kaum zu erkennen, weil der natürliche Luftdruckunterschied zu gering ist. Mit dem künstlichen Unterdruck werden auch kleine Leckagen deutlich sichtbar. Diese Kombination ist besonders empfehlenswert bei der Qualitätskontrolle vor der Bauabnahme eines Neubaus.
In den langen, kalten Wintern der Region Hof lohnt sich die kombinierte Untersuchung besonders. Die natürliche Temperaturdifferenz von 25 bis 30 Grad zwischen beheiztem Innenraum und Außenluft liefert ideale Messbedingungen. Informationen zum Blower-Door-Test finden Sie auf unserer Seite zur Qualitätssicherung.
Was kostet eine Bauthermografie?
Die Kosten für eine Bauthermografie richten sich nach dem Umfang der Untersuchung. Ein reiner Außenrundgang mit Dokumentation der vier Fassadenseiten ist die einfachste Variante. Eine Innenthermografie aller Räume einschließlich Keller und Dachboden ist aufwändiger. Die Kombination aus Innen- und Außenthermografie mit einem ergänzenden Blower-Door-Test ist die umfassendste und aussagekräftigste Variante.
Einen Überblick über unsere Preisstruktur finden Sie auf unserer Kostenseite.
Wichtig: Billigangebote für Thermografie-Rundgänge ohne professionelle Dokumentation und Interpretation sind wenig aussagekräftig. Ein seriöser Thermografie-Bericht enthält für jede Aufnahme das Wärmebild, ein zugehöriges Echtfarbfoto zur Orientierung, die Messparameter (Emissionsgrad, Referenztemperatur, Abstand) und eine Bewertung der Befunde. Nur mit dieser Dokumentation haben Sie im Streitfall einen belastbaren Nachweis.
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Häufige Fragen
Kann ich eine Thermografie auch im Sommer machen lassen?
Im Sommer fehlt in der Regel die nötige Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Ausnahmen sind Innenthermografien zur Feuchtesuche, die auch bei warmen Temperaturen funktionieren.
Reicht ein Wärmebild als Beweis für einen Mangel?
Nein, ein Thermografiebild allein ist kein Beweis für einen Baumangel. Es ist ein Indikator, der durch weitere Untersuchungen bestätigt werden muss.
Muss die Heizung für die Messung laufen?
Ja, das Gebäude muss mindestens 24 Stunden vor der Messung gleichmäßig beheizt worden sein. Alle Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben.
Kann ich mit einer günstigen Wärmebildkamera selbst messen?
Einfache Wärmebildkamera-Aufsätze für Smartphones haben eine sehr geringe Auflösung und liefern kaum verwertbare Ergebnisse. Professionelle Kameras kosten mehrere tausend Euro und erfordern Erfahrung in der Interpretation der Bilder.
Wie lange dauert eine Thermografie-Untersuchung?
Ein Außenrundgang dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Eine vollständige Innen- und Außenthermografie mit Dokumentation benötigt zwei bis drei Stunden.
Erkennt die Thermografie auch Wasserrohrbrüche?
Austretende Feuchtigkeit kann sich auf Wärmebildern als Temperaturanomalie zeigen. Für die gezielte Leckortung gibt es jedoch spezialisiertere Verfahren.
Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular für eine Bauthermografie für Ihr Gebäude.