DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Hof
Schimmel & Feuchtigkeit 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Aufsteigende Feuchtigkeit: Ursachen und Abdichtung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Aufsteigende Feuchtigkeit entsteht durch kapillaren Feuchtetransport in Mauerwerk ohne funktionierende Horizontalsperre
  • Typische Anzeichen sind Salzausblühungen, abplatzender Putz und feuchte Flecken im Sockelbereich
  • Gebäude vor 1960 verfügen selten über eine normgerechte Horizontalabdichtung
  • Die Saale im Hofer Stadtzentrum erhöht den Grundwasserspiegel und verstärkt das Problem
  • Sanierungsmethoden reichen von Injektionsverfahren bis zur mechanischen Mauersäge
  • Eine Feuchtemessung durch einen Sachverständigen klärt Ursache und Ausmaß

Aufsteigende Feuchtigkeit ist eines der hartnäckigsten Probleme in älteren Gebäuden. Das Wasser steigt durch feine Kapillaren im Mauerwerk aus dem Erdreich nach oben und transportiert dabei gelöste Salze mit. Im Laufe der Jahre zerstört dieser Prozess Putz, Anstriche und Wandbekleidungen von innen heraus. Für Hauseigentümer für Hof ist dieses Thema besonders relevant, denn die historische Bausubstanz der Stadt bietet ideale Bedingungen für kapillare Feuchteaufnahme.

Wie erkennt man aufsteigende Feuchtigkeit?

Aufsteigende Feuchtigkeit macht sich durch charakteristische Schadensbilder bemerkbar, die sich von anderen Feuchtigkeitsproblemen unterscheiden lassen.

Das deutlichste Zeichen ist ein horizontaler Feuchtehorizont im unteren Wandbereich. Die Feuchtigkeit steigt typischerweise 30 bis 120 Zentimeter über Geländeoberkante auf. Die Steighöhe hängt vom Mauerwerkstyp ab: Feinporiges Mauerwerk wie Ziegel leitet das Wasser höher als grob strukturierter Naturstein.

Salzausblühungen sind ein weiteres sicheres Indiz. Das aufsteigende Wasser löst Salze aus dem Mauerwerk und dem Erdreich. An der Wandoberfläche verdunstet das Wasser, die Salze kristallisieren aus und bilden weiße, flauschige Beläge. Diese Salzkristallisation erzeugt erheblichen Druck im Putz und führt zu Abplatzungen.

Weitere Anzeichen sind muffiger Geruch im Erdgeschoss, feuchte Sockelleisten, sich lösende Tapeten im Fußbodenbereich und dunkle Verfärbungen an der Wandoberfläche. In fortgeschrittenen Fällen kann das Mauerwerk so stark durchfeuchtet sein, dass es seine Tragfähigkeit verliert.

Warum sind Hofer Altbauten besonders betroffen?

Hof besitzt einen bemerkenswerten Bestand an historischer Bausubstanz. Die Neustadt wurde nach dem verheerenden Großbrand von 1823 fast vollständig im Biedermeier-Stil wiederaufgebaut. Diese rund 200 Jahre alten Gebäude wurden ohne Horizontalsperre errichtet, da diese Abdichtungstechnik erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreitet wurde.

Verschärfend kommt die Lage an der Saale hinzu. Der aufgestaute Fluss im Stadtzentrum erhöht den Grundwasserspiegel in den angrenzenden Quartieren. In den Kellern und Erdgeschossen entlang der Saale ist die Bodenfeuchtigkeit dadurch deutlich höher als in Hanglagen. Gebäude in der Altstadt mit ihren mittelalterlichen Kellerstrukturen unter späteren Aufbauten sind ebenfalls stark betroffen.

Mehr dazu auf unserer Seite zur Untersuchung von Feuchteschäden.

Was ist eine Horizontalsperre und warum fehlt sie?

Eine Horizontalsperre ist eine wasserundurchlässige Schicht im Mauerwerk, die den kapillaren Aufstieg von Bodenfeuchtigkeit unterbricht. Bei modernen Gebäuden wird sie als Bitumen- oder Kunststoffbahn in die Lagerfuge zwischen Fundament und aufgehendem Mauerwerk eingelegt.

In Gebäuden vor 1900 fehlt diese Sperre fast immer. Die Baumeister der Biedermeier-Zeit und der Gründerzeit vertrauten auf massive Mauerstärken und offene Putzoberflächen, die eine gewisse Verdunstung zuließen. Solange die Wände atmen konnten, hielt sich die Feuchtigkeit in Grenzen. Probleme entstanden erst, als in den folgenden Jahrzehnten dampfdichte Putze, Fliesen oder Kunststoffanstriche die Verdunstung blockierten.

Bei Gebäuden aus der Nachkriegszeit (ab 1950) wurde zwar häufig eine Horizontalsperre eingebaut, aber oft in minderwertiger Ausführung. Nach 70 bis 80 Jahren ist das Material vielfach spröde geworden oder durch Setzungen gerissen.

Welche Sanierungsverfahren gibt es?

Die Wahl des Sanierungsverfahrens hängt von der Mauerwerksart, dem Durchfeuchtungsgrad und den örtlichen Gegebenheiten ab. Kein Verfahren ist für alle Fälle geeignet.

Injektionsverfahren (Drucklos oder Niederdruckinjektion): In Bohrlöcher wird ein Injektionsmittel (Silikonmikroemulsion, Silane oder Silikonharz) eingebracht, das die Kapillaren im Mauerwerk wasserabweisend macht. Das Verfahren ist vergleichsweise kostengünstig und erschütterungsfrei. Es eignet sich gut für Ziegelmauerwerk mit gleichmäßigem Fugenbild. Bei stark durchnässtem oder inhomogenem Mauerwerk (Bruchstein, Mischmauerwerk) sind die Ergebnisse weniger zuverlässig.

Mechanische Verfahren (Mauersäge, Blecheinschlagverfahren): Das Mauerwerk wird in einer Lagerfuge durchtrennt und eine Sperrschicht aus Edelstahlblech oder Kunststoff eingesetzt. Dieses Verfahren ist aufwändig, bietet aber eine zuverlässige mechanische Barriere. Es erfordert allerdings eine zugängliche, durchgehende Lagerfuge.

Elektrophysikalische Verfahren: Diese Systeme arbeiten mit elektrischen Feldern und beanspruchen, die Kapillarkräfte umzukehren. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich umstritten. Das Deutsche Institut für Bautechnik hat bisher keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erteilt. Ein seriöser Sachverständiger wird von diesen Verfahren in der Regel abraten.

Kontaktieren Sie uns für eine fundierte Beratung zur richtigen Sanierungsmethode.

Wie läuft eine Feuchtigkeitsuntersuchung ab?

Vor jeder Sanierung steht die Diagnose. Ein DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger führt zunächst eine Begehung durch und dokumentiert die sichtbaren Schadensbilder. Anschließend werden Feuchtemessungen durchgeführt: kapazitive Messungen an der Oberfläche geben einen ersten Überblick, CM-Messungen oder Darr-Proben liefern exakte Feuchtewerte in verschiedenen Höhen und Tiefen.

Das Feuchteprofil zeigt, ob die Feuchtigkeit tatsächlich von unten aufsteigt oder ob andere Ursachen vorliegen, etwa Spritzwasser, seitlich eindringende Feuchtigkeit oder Kondensat. Dieser Unterschied ist entscheidend für die Sanierungsplanung, denn eine Horizontalsperre hilft nur gegen aufsteigende Feuchtigkeit.

Auf unserer Seite Bauthermografie erfahren Sie, wie Wärmebilduntersuchungen die Diagnose ergänzen können.

Was kostet die Sanierung aufsteigender Feuchtigkeit?

Die Kosten einer Sanierung hängen stark von der Mauerwerkslänge, der Wandstärke und dem gewählten Verfahren ab. Das Injektionsverfahren ist in der Regel das wirtschaftlichste. Die mechanische Mauerwerkssperre ist teurer, bietet aber eine höhere Zuverlässigkeit.

Zusätzlich zur Horizontalsperre fallen Kosten für die Putzentsanierung an. Versalzter Putz muss komplett entfernt und durch Sanierputz nach WTA-Merkblatt ersetzt werden. Erst nach einer Austrocknungsphase von mehreren Monaten kann der neue Wandaufbau hergestellt werden. Ein Bausachverständiger kann die voraussichtlichen Kosten auf Basis der Schadensaufnahme einschätzen.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Kostenseite.

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Häufige Fragen

Wie hoch kann aufsteigende Feuchtigkeit steigen?

In Ziegelmauerwerk steigt die Feuchtigkeit typischerweise 30 bis 120 Zentimeter über Geländeoberkante. In Einzelfällen, etwa bei sehr feinporigem Mauerwerk oder starkem Grundwassereinfluss, können auch höhere Steighöhen auftreten.

Ist aufsteigende Feuchtigkeit immer sichtbar?

Nicht immer. In Anfangsstadien kann die Feuchtigkeit bereits im Mauerwerk vorhanden sein, ohne dass Verfärbungen oder Salzausblühungen sichtbar sind. Eine Feuchtemessung deckt auch versteckte Durchfeuchtung auf.

Hilft ein Drainagesystem gegen aufsteigende Feuchtigkeit?

Eine Drainage senkt den Grundwasserspiegel am Gebäude und reduziert damit die Feuchtezufuhr. Sie ist eine ergänzende Maßnahme, ersetzt aber keine Horizontalsperre. In Kombination sind beide Maßnahmen am wirksamsten.

Kann ich die Feuchtigkeit durch Heizen und Lüften in den Griff bekommen?

Heizen und Lüften verbessert die Verdunstung an der Wandoberfläche, beseitigt aber nicht die Ursache. Die Feuchtigkeit steigt weiter nach. Ohne bauliche Maßnahme bleibt das Problem bestehen.

Wie lange dauert die Trocknung nach einer Horizontalsperre?

Die Austrocknungsdauer hängt von der Wandstärke und dem Durchfeuchtungsgrad ab. Bei einer 50 Zentimeter dicken Ziegelwand können 6 bis 18 Monate vergehen, bis der Feuchtegehalt auf ein normales Niveau gesunken ist. Sanierputz beschleunigt diesen Prozess.

Bieten Sie Feuchtigkeitsuntersuchungen für Hof und Umgebung an?

Ja. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger führen wir Feuchtemessungen und Schadensanalysen für Hof, Münchberg, Naila, Selb und die gesamte Region Oberfranken durch.

Haben Sie den Verdacht auf aufsteigende Feuchtigkeit in Ihrem Gebäude? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Wir klären die Ursache und beraten Sie zur wirtschaftlichsten Sanierungslösung.

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